, Birgit Rüegsegger und Michael Bürger

3-tägige Wanderung im Aletschgebiet 23.-25. August 2019

Leitung: Adrian Wood

Tag 1

Es ist Freitag, der 23. August 2019. Für 17 angemeldete Teilnehmer und Teilnehmerinnen beginnt heute eine vielversprechende dreitägige Wanderung.

Basel, noch ist es früh am Morgen, der Himmel ist klar. Die Wetteraussichten für die nächsten Tage sind gut.

Pünktlich um 6.50 Uhr begrüsst uns Adrian auf der Passerelle des Bahnhofs SBB. Mit dem 6.59 Uhr Zug fahren wir via Bern nach Brig. Hier steigen wir um ins Postauto, welches uns in ca. 15 Minuten auf 1093 m Höhe nach Naters-Birgisch bringt, wo unsere Wanderung beginnt. Vor uns liegen 1100 m Aufstieg und 11 km Wegstrecke. Reine Wanderzeit ca. 4–5 Stunden (mit Pausen ca. 7 Stunden).

Schon von Beginn an ist es recht steil. Vorbei an ein paar Schwarzhals-Ziegen biegt unser Weg rechts ab in den Wald. Bald treffen wir auf Bewässerungskanäle, die sogenannten Suonen. Wer genau hinschaut kann die Seitenwände erblicken, mit deren Hilfe der Wasserlauf entweder blockiert oder zwecks Bewässerung geöffnet wird. Ein Jahrhunderte altes System und typisch fürs Wallis.

Der Aufstieg ist anstrengend und die Gruppe fällt auseinander. Bald hat man sich aus den Augen verloren. Stetig geht es weiter bergauf. Es ist heiss und wir kommen ins Schwitzen. Baumfreie Stellen geben den Blick frei ins Tal und auf die gegenüberliegende Seite der Walliser Bergwelt. Birgisch wird immer kleiner. Während die ersten weit oben einen Wartehalt einlegen und rasten, hält der andere Teil der Gruppe weiter unten. So kommt es, dass wir keinen gemeinsamen Mittagshalt machen, was ein bisschen schade ist. Schliesslich erreichen alle nacheinander Nessel auf 2010 m ü.M. und es eröffnet sich ein erster ferner Blick auf den Aletschgletscher.

Von nun an geht es nur noch leicht bergauf. Die Ersten queren die Alp Nessel, kommen vorbei an ein paar Ferienalphütten und schwarzen Rindern. Alpwiesen prägen hier das Landschaftsbild. Der schmale Pfad führt entlang der Nessjeri, einem frischen kleinen Bergbach.

An einer Weggabelung macht die „Vorhut“ halt. Man ist unsicher, wo’s lang geht. Es wird gewartet, doch der Vorsprung auf den Rest der Gruppe ist so gross, dass man sich entschliesst, nicht zu warten und geht stattdessen weiter. Das Dorf ist bereits in Sichtweite. Es kann kaum etwas schief gehen.

Kurz darauf erreicht auch der Rest der Gruppe die Alp Nessel. Doch oh Schreck! Wie jemand später berichtete, wurden sie dort von den riesengrossen schwarzen Rindern verfolgt. Zum Glück waren sie friedlich.

Nun ist es nicht mehr weit. Eingangs Belalp bietet sich ein Terrassenrestaurant für eine Pause an. Panaché und Bier! Welche Wohltat und welche Gedankenübertragung! Als hätte man sich abgesprochen, taucht plötzlich auch die andere Gruppe mit Adrian auf der Terrasse auf. Gemeinsam geniesst man die willkommene Erfrischung, bevor man dann das letzte kurze Stück zum Hotel Belalp unter die müden Füsse nimmt.

Dort angekommen erwartet uns ein super luxuriöses Mehrbettzimmer, eine wohltuende warme Dusche, nochmals ein Apérogetränk (wandern macht durstig) und ein hervorragendes Nachtessen.

Tag 2

Ziel des heutigen Tages ist die Riederalp auf 1950 m. Zu bewältigen sind 10 km Wegstrecke mit insgesamt 920 m Abstieg und 680 m Aufstieg. Reine Wanderzeit ca. 4 Stunden, höchster Punkt Riederfurka auf 2065 m ü.M. Highlight des Tages ist die 124 m lange Hängebrücke über die Massaschlucht, eine der imposantesten Schweizer Schluchten. Die Höhendifferenz an dieser Stelle misst 80 m.

Am Samstagmorgen, nach nächtlichem Regen, ist um 7 Uhr Tagwacht. Draussen erstrahlt nach einem fantastischen Sonnenaufgang ein wolkenlos blauer Himmel. Die Nacht im Luxusmatratzen-lager – das war es in der Tat – war erholsam, das reichhaltige Buffet-Frühstück im Panoramasaal lecker und vielfältig. Alles super organisiert, vielen Dank Adrian.

Gestärkt und guten Mutes machen wir uns um halb neun auf zum Abstieg in die Massaschlucht, mit grandiosem Ausblick auf den Aletschgletscher mit seiner durch Moränengestein, Umweltver-schmutzung und Saharastaub schwarz gefärbten Gletscherzunge. Am Anfang ist der Weg noch etwas felsig und ruppig, dann zwischen gletschergeschliffenen Felsen geht es hinunter zur Schlucht. Die Hängebrücke auf 1663 m ü.M. – Jean-Francois und Adrian werden zur Begrüssung von einer Ziege, die sich bei unserer Ankunft hier aufhält, abgeschleckt – ist eindrücklich und nichts für schwache Nerven. Flaues Gefühl im Bauch? Es wackelt. Wenn doch nur die lieben Wanderkolleg-innen und -kollegen die Brücke nicht in solche Schwingung versetzen würden! Schliesslich kommen wir alle wohlbehalten auf der anderen Seite der Schlucht an.

Von nun an geht es wieder bergauf. Zu bewältigen sind 400 Höhenmeter. Vorbei am Grünsee, wo wir Mittagshalt machen, führt der Weg durch den unter Naturschutz stehenden Aletschwald. Es geht steil bergauf, nicht selten über hohe steinige Tritte. Durch Baumlücken hindurch erspähen wir das eine und andere Mal unser Hotel von letzter Nacht. Wie eine Festung thront das Hotel Belalp auf der gegenüberliegenden Seite auf dem Fels. Wir staunen und sind schon jetzt stolz auf unsere erneute fussgängerische Leistung.

Nach dem schweisstreibenden Aufstieg zur Riederfurka machen wir einen Einkehrschwung, um dann das letzte Stück, frisch fröhlich zum Naturfreundehaus „Lueg ins Land“ fortzusetzen. Zum Abschluss des Tages gibt es dann ein reichhaltiges Abendessen im Hotel Restaurant Spycher mit einem witzigen portugiesischen Kellner, der auch seine chirurgischen Fähigkeiten beim Entfernen von „Spriessen“ unter Beweis stellt.

Auch heute haben wir es immer wieder geschafft, die unterschiedlichen Splitterwandergruppen erneut zu konsolidieren. Das gemeinschaftliche Durchwandern und Erleben dieser Tour lässt uns zu einer tollen Truppe zusammenwachsen. So auch, als plötzlich viel mehr Teilnehmer unserer Gruppe im Hotel übernachten als ursprünglich geplant und der dunkle Weg zurück zum Naturfreundehaus nach dem Nachtessen, für ein paar dort einquartierte Kolleginnen und Kollegen, plötzlich nicht mehr auffindbar ist . . .

Tag 3

Der Tag beginnt, wie schon die vorherigen, mit prächtigem Wetter. Der letzte Tourentag steht an und mit ihm der eigentliche Höhepunkt der Tour. Die Wanderung entlang des grossen Aletsch-gletschers.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Spycher starten wir um 8.15 Uhr. Es beginnt gemütlich. Mit der Seilbahn fahren wir auf die 2334 m hohe Moosfluh. Bereits die Fahrt nach oben, vorbei am Blausee, bietet einen fantastischen Ausblick auf die Walliser-Alpen, einschliesslich Dom, Matterhorn und Weisshorn. Oben angekommen liegt vor uns der majestätische Aletschgletscher. Mit seinen 23 Kilometern Länge der grösste und mächtigste Gletscher der Alpen mit 27 Milliarden Tonnen Eis – ein spektakulärer Anblick! Minutenlang geniessen wir den Rundblick über das Eis, lassen die einmalige Berglandschaft auf uns wirken und machen Fotos.

Alsbald wandern wir los. Endziel ist die Fiescheralp auf 2212 m ü.M. Vor uns liegt eine 14 km lange Wanderung mit 600 m Auf- und 720 m Abstieg, reine Wanderzeit ca. 4–5 Stunden (mit Pausen wurden es 7 Stunden). Ein schön und angenehm zu gehender Höhenweg entlang des Aletschgletschers führt uns zu unserem ersten Etappenziel den Hohbalm 2490 m. Immer wieder bleiben wir für einen Moment stehen, um die Schönheit dieser einmaligen Naturlandschaft zu bewundern und in uns aufzusaugen. Der Blick auf hunderte Meter dickes Eis und klaffende Gletscherspalten flösst Ehrfurcht ein. Je weiter wir uns auf dem schmalen Pfad vorwärts bewegen, desto weisser wird das Gletschereis des Aletsch. Darin eingebettet die schwarzen Moränenstreifen, die wie „Fahrstreifen“ dem Aletsch seinen unverwechselbaren Charakter geben. Es ist traumhaft schön! Unten auf dem Gletscher entdecken wir drei Seilschaften. Wie kleine Ameisen sehen sie aus.

Kurz nach der Kreuzung Roti Chumme auf 2358 m verlassen wir den Weg entlang des Aletsch um weiter Richtung Märjelensee zu marschieren. Ein letzter Blick zurück beschert uns in der Ferne, hoch über dem Gletscher, die Sicht auf den Mönch und die Sphinx beim Jungfraujoch, dann zweigen wir ab.

Eine dicke Wolke zieht auf und die Luft wird deutlich kühler. Nach einer kurzen steinschlagge-fährdeten Strecke gelangen wir zum Märjelensee wo wir zu Mittag rasten, leider ohne die bisher wärmenden Sonnenstrahlen. So ziehen wir uns eben etwas wärmer an und essen halt ohne Sonne unser Zmittag. Staunend schauen wir dabei Albert zu, wie er Fischli fütternd diese zu regelrechten Wassersprüngen animiert.

Weiter geht unsere Wanderung Richtung Fiescheralp. Wie bisher auf der Tour gehen wir in verschiedenen Geschwindigkeitsgruppen. Nächster Treffpunkt ist in Märjela beim Restaurant Gletscherstube, wo sich die Wegvariante „Abkürzung durch einen Tunnel“ anbietet. Da sich die Wolken glücklicherweise wieder verziehen (so gemein – kaum fertig gerastet sind sie weg!) ist es erneut sonnig und warm, sodass sich die Mehrheit der Gruppe fürs „Beinli schlänkere“ (Jean-Francois J) und damit für den längeren Weg zur Fiescheralp entscheidet. Der Pfad führt nun mehrheitlich abwärts. Belohnt werden wir wieder mit wunderschönen Ausblicken, sowohl auf den nun von hier aus zu sehenden Fieschergletscher, als auch hinunter ins Tal auf Bellwald. Kurz vor 16 Uhr erreichen wir die Fiescheralp. Die Seilbahn bringt uns hinunter nach Fiesch von wo aus wir, wie geplant, mit dem Zug zurück nach Basel fahren.

Eine wunderschöne, eindrückliche und marschmässig anspruchsvolle, jedoch gut zu bewältigende Drei-Tages-Tour, an die man sich gerne zurück erinnert geht zu Ende. Vielen Dank unserem Tourenleiter und Organisator Adrian Wood.